Alt-Texte: was Bilder wirklich beschreiben sollten
Kaum ein Standard wird so verlässlich erwähnt und so unterschiedlich umgesetzt wie Alt-Texte. Auf manchen Websites sind sie sorgfältig gepflegt und tragen ihren Teil zu Barrierefreiheit und Suchmaschinen-Sichtbarkeit bei. Auf vielen anderen wirken sie wie ein Pflichtfeld, das jemand schnell ausgefüllt hat: "Bild", "Logo", der Dateiname oder der bewährte Klassiker "image123.jpg".
Das Problem ist nicht, dass diese Praxis sichtbar ist. Das Problem ist, dass sie unsichtbar ist. Niemand klickt sie weg, niemand bekommt sie im Alltag zu sehen, also fällt sie in der Pflege schnell hinten runter. Trotzdem entscheiden Alt-Texte mit darüber, ob deine Website ernst genommen wird, sowohl von Menschen mit Screenreader als auch von Suchmaschinen.
Wofür Alt-Texte eigentlich da sind
Ein Alt-Text hat zwei klar getrennte Funktionen:
- Er ersetzt das Bild für jemanden, der es nicht sehen kann oder dem es technisch nicht angezeigt wird.
- Er ist ein Hinweis für Maschinen, vor allem für Suchmaschinen und KI-Systeme, was auf dem Bild zu sehen ist.
Beides läuft am besten zusammen, wenn der Alt-Text das Bild im Kontext der Seite beschreibt. Nicht jedes Detail, sondern die Information, die ein Mensch ohne Bild gerade brauchen würde.
Was ein guter Alt-Text leistet
Ein guter Alt-Text ist konkret, knapp und kontextbezogen. Er beschreibt nicht das Bild im Vakuum, sondern in der Rolle, die es auf dieser Seite spielt.
Ein paar Leitfragen helfen:
- Warum steht dieses Bild auf dieser Seite?
- Welche Information geht verloren, wenn das Bild fehlt?
- Würde der Satz davor oder danach ohne Bild lückenhaft wirken?
Wer diese Fragen beantwortet, schreibt selten zu lange Alt-Texte und fast nie zu generische.
Typische Fehler im Alltag
In Audits sehen wir immer wieder dieselben Schwachstellen:
- Alt-Texte mit dem Dateinamen statt einer echten Beschreibung
- dieselben Alt-Texte für sehr unterschiedliche Bilder, etwa "Teamfoto" zwanzig Mal
- lange Texte, die jedes Detail im Bild aufzählen, ohne den Kontext zu berücksichtigen
- Alt-Texte, die keyword-stuffing betreiben, statt zu beschreiben
- leere Alt-Attribute bei inhaltlich wichtigen Bildern
- Alt-Texte für rein dekorative Bilder, die Screenreader nur ausbremsen
Jeder einzelne Fehler ist klein. Auf einer Website mit hundert Bildern entsteht aber ein systematisches Problem, das weder Mensch noch Maschine sauber lesen kann.
Wann ein Alt-Text leer bleiben darf
Nicht jedes Bild braucht einen Alt-Text. Rein dekorative Elemente, etwa Hintergrundgrafiken oder Icons, die direkt neben einem beschreibenden Text stehen, sollten ein leeres Alt-Attribut bekommen. Damit wird das Bild für Screenreader explizit übersprungen, statt unnötig kommentiert zu werden.
Diese Unterscheidung wird oft vergessen. Ein Alt-Text, der nur das wiederholt, was direkt daneben im Text steht, schadet eher, als dass er hilft. Sauberes Markup heisst auch, bewusst nichts zu sagen, wenn es nichts zu sagen gibt.
Beispiele aus dem echten Alltag
Statt "Mann am Schreibtisch" lieber: "Geschäftsführer Max Müller im Büro während eines Kundengesprächs". Statt "Diagramm": "Balkendiagramm zeigt einen Anstieg der Anfragen um 30 Prozent zwischen 2023 und 2025". Statt "Logo": je nach Kontext entweder ein leeres Alt-Attribut, wenn das Logo nur Dekoration ist, oder ein klarer Hinweis wie "Agentur ignis Logo", wenn es als Inhalt gemeint ist.
Diese Beispiele wirken banal, aber sie zeigen den Unterschied zwischen Pflichterfüllung und ehrlicher Beschreibung.
Alt-Texte und SEO
Alt-Texte sind ein etablierter Faktor für die Bildersuche und ein Hinweis für die thematische Einordnung einer Seite. Wer sie sauber pflegt, hilft Suchmaschinen dabei, den Inhalt einer Seite zu verstehen, ohne Texte künstlich aufblähen zu müssen.
Das funktioniert allerdings nur, wenn die Alt-Texte ehrlich beschreiben. Keyword-Stuffing wird inzwischen recht zuverlässig erkannt und wirkt sich eher negativ aus. Ein gut formulierter Alt-Text mit den passenden Begriffen reicht völlig.
Im Zusammenspiel mit sauberer Bildoptimierung auf der Website entsteht so ein Bildkonzept, das Performance, Zugänglichkeit und Sichtbarkeit gleichzeitig stützt.
Wer Alt-Texte am besten schreibt
Alt-Texte gehören in die Redaktion, nicht in die Entwicklung. Wer das Bild ausgewählt hat und weiss, warum es dort steht, kann den passenden Alt-Text fast immer in unter einer Minute schreiben. Wenn dieser Schritt strukturell verankert ist, etwa als Pflichtfeld im CMS, entsteht keine Routine, in der Bilder ohne Beschreibung veröffentlicht werden.
Ruhiger Schluss
Alt-Texte sind ein kleines Werkzeug mit überdurchschnittlicher Wirkung. Sie kosten wenig Aufwand, wenn sie systematisch gepflegt werden, und beeinflussen gleichzeitig Barrierefreiheit, SEO und KI-Wahrnehmung deiner Website.
Wenn du wissen willst, wie es um die Alt-Texte deiner Website wirklich steht, lässt sich das in einem kurzen Audit sauber einordnen. In den meisten Fällen ist die Verbesserung kein grosses Projekt, sondern eine ruhige Aufräumarbeit mit messbarer Wirkung.