Buyer Personas, die wirklich beim Schreiben helfen
Buyer Personas tauchen in vielen Strategiepapieren auf. Sie haben Namen, Hobbys, Lieblingsbücher, manchmal sogar einen Hund. Was sie selten haben, ist eine echte Wirkung auf das, was am Ende auf der Website steht.
Das Problem ist nicht die Idee, sondern die Ausführung. Personas, die nicht beim Schreiben helfen, sind teuer und nutzlos. Personas, die helfen, sehen meistens unspektakulär aus.
Wozu Personas eigentlich da sind
Eine Persona soll dir an konkreten Stellen die richtige Entscheidung erleichtern: welcher Begriff, welche Reihenfolge, welche Tiefe, welcher Ton, welcher Abstand. Sie soll Sätze ermöglichen wie: "Für diese Person ist das hier zu technisch" oder "Sie würde an dieser Stelle eher nach X als nach Y suchen."
Wenn du beim Lesen deiner Persona keinen einzigen solchen Satz herleiten kannst, hat sie ihre Hauptaufgabe nicht erfüllt.
Was eine Persona für die Website wirklich braucht
Statt Lifestyle-Details lohnen sich kontextbezogene Punkte:
- aktuelle Aufgabe, in der dein Angebot relevant wird
- typische Auslöser, warum sie überhaupt sucht
- Reifegrad: kennt sie das Problem, kennt sie Lösungen, kennt sie dich?
- Sprache, die in ihrem Alltag genutzt wird, und Begriffe, die sie ablehnt
- Entscheidungsumfeld: allein, im Team, mit Einkauf, mit Geschäftsführung
- typische Bedenken vor einer Anfrage
Diese Punkte ergeben fünf bis zehn Sätze pro Persona. Mehr ist meistens nicht hilfreich.
Personas entstehen nicht am Whiteboard
Personas, die wirklich tragen, kommen aus echten Gesprächen, nicht aus einem Workshop mit dem Marketingteam.
Quellen, die Substanz liefern:
- Vertriebsgespräche und Angebotsanfragen der letzten Monate
- Onboarding-Gespräche mit neuen Kunden
- Supportanfragen mit ähnlichen Mustern
- Calls oder Notizen aus Discovery-Phasen
Aus diesem Material entstehen die echten Sätze, die deine Kunden wirklich sagen. Genau diese Sätze brauchst du, wenn du Webtexte schreibst, die nicht nach Marketingsprache klingen.
Lieber zwei scharfe Personas als sechs weiche
Personas profitieren von Fokus genauso wie Zielgruppen für die Website klar definieren. Zwei klare Profile, an denen sich jede Entscheidung messen lässt, schlagen sechs runde Profile, die in der Praxis nie auseinandergehalten werden.
Wenn deine Personas alle etwa dieselben Inhalte sehen sollen, sind sie keine getrennten Personas, sondern Varianten einer einzigen.
So nutzt du Personas im Schreibprozess
Personas wirken, wenn du sie aktiv anlegst, nicht nur ablegst. Praktische Wege:
- jede Headline nach Persona prüfen: Wem nimmt sie Arbeit ab?
- Leistungstexte gegen die Bedenken der Persona schreiben, nicht nur die Vorteile beschreiben
- FAQ-Fragen direkt aus den Sätzen der Persona ableiten
- CTA-Texte daran prüfen, ob sie an dieser Stelle für die Persona plausibel sind
Wenn du beim Schreiben einer Sektion keine Persona im Kopf hast, ist meist ein Hinweis darauf, dass diese Sektion zu unklar adressiert ist.
Häufige Fehler bei Personas
Typische Schwächen:
- Personas, die wie Wunschkundenpostkarten klingen, aber keinen Konflikt enthalten
- Personas mit allgemeinen Hobbys und Privatdaten, aber ohne Berufskontext
- Personas, die so glatt sind, dass keine Entscheidung daraus folgt
- Personas, die niemand im Team wirklich kennt, weil sie einmal erstellt wurden und seitdem ruhen
- Personas, die ausschliesslich aus internen Vermutungen statt Kundengesprächen entstanden
Personas verlieren ihren Wert nicht, weil das Konzept schlecht wäre, sondern weil sie zu früh perfekt aussehen sollen.
Personas als lebendiges Werkzeug
Eine gute Persona darf sich verändern. Wenn du nach drei Monaten schreibender Arbeit feststellst, dass eine Bedenkensformulierung in jedem Erstgespräch auftaucht, gehört sie in die Persona. Wenn ein vermeintlich wichtiger Auslöser in der Realität nie auftaucht, fliegt er raus.
Personas, die sich nie ändern, sind meistens nicht stabil, sondern unberührt.
Pragmatische Empfehlung
Behandle Personas wie Werkzeug, nicht wie Dokument. Schreibe sie schlank, halte sie nah am Vertrieb, prüfe regelmässig, ob sie deine Texte und UX-Entscheidungen tatsächlich beeinflussen. Wenn sie keinen Unterschied im finalen Output machen, sind sie Zierde, nicht Hilfe.
Gute Personas merkst du nicht daran, wie hübsch sie aussehen, sondern daran, dass deine Webtexte ohne sie spürbar schlechter wären.