INP statt FID: was sich an Core Web Vitals verändert hat
Wer in den letzten Jahren über Core Web Vitals gesprochen hat, kannte drei Werte: LCP, CLS und FID. FID stand für First Input Delay, also die Zeit zwischen dem ersten Klick eines Nutzers und der Reaktion des Browsers. Seit März 2024 wurde diese Metrik durch INP ersetzt, kurz für Interaction to Next Paint.
Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Detailänderung. In Wirklichkeit ist es ein deutlicher Schritt: INP misst nicht mehr nur den ersten Klick, sondern den Eindruck der gesamten Interaktion mit einer Seite. Das hat unmittelbare Folgen für die Bewertung vieler Unternehmenswebsites.
Warum FID nicht mehr ausreicht
FID hatte einen eingebauten blinden Fleck. Es betrachtete nur die erste Eingabe, nichts danach. Eine Seite, die beim ersten Klick reagierte und dann zäher wurde, sah in Tools gut aus und fühlte sich für Nutzer trotzdem schlecht an.
Genau dieses Mismatch sollte INP schliessen. Statt einen einzelnen Moment zu messen, betrachtet INP den schlechtesten relevanten Reaktionszeitpunkt einer Sitzung. Damit wird nicht mehr ein Moment, sondern das Verhalten der Seite über die Zeit bewertet.
Was INP wirklich misst
Vereinfacht gesagt misst INP die Zeit zwischen einer Interaktion und dem nächsten visuellen Update. Eine Interaktion kann sein:
- ein Klick
- ein Tap auf dem Smartphone
- eine Eingabe im Formular
- ein Toggle, eine Auswahl oder ein Filter
Reagiert die Seite zügig sichtbar, ist der Wert gut. Bleibt die Seite für 300, 500 oder 800 Millisekunden eingefroren, fällt der Wert deutlich ab. Über die ganze Sitzung hinweg wird der typische schlechtere Fall festgehalten.
Was sich für Unternehmen praktisch ändert
Viele Seiten haben gute LCP- und CLS-Werte, aber INP-Werte, die sichtbar schwächer sind. Das liegt daran, dass interaktive Bereiche deutlich anspruchsvoller sind als statische Erstdarstellung. Typische Stellen sind:
- umfangreiche Filter auf Produkt- oder Leistungsseiten
- Tabbed Content auf Startseiten
- Akkordeons und FAQ-Bereiche
- Suchen mit Live-Vorschlag
- Konfiguratoren und Rechner
Wenn eine dieser Stellen im Hauptpfad einer Website liegt, entscheidet sie wesentlich darüber, wie INP bewertet wird.
Wo INP-Probleme entstehen
INP wird selten von einem einzelnen Element ausgelöst. In den allermeisten Fällen sind es Hintergrundeffekte:
- schwerer JavaScript-Code, der den Hauptthread blockiert
- viele kleine Skripte von Drittanbietern
- Tracking, das auf jede Interaktion mitreagiert
- Animationen, die mehr leisten als sichtbar wird
- Eventhandler, die bei jeder Eingabe zu viel berechnen
Du musst diese Punkte nicht selbst auflösen. Wichtig ist, dass dir bewusst ist: INP misst nicht das schöne Bild der Seite, sondern wie sauber sie auf Eingaben antwortet.
Hebel jenseits von Code
Auch INP hängt nicht nur an der Umsetzung. Es hängt mindestens so stark an inhaltlichen Entscheidungen:
- wie viele Drittanbieter-Tools wirklich nötig sind
- ob jede Interaktion sofort getrackt werden muss
- wie komplex Filter, Konfiguratoren und interaktive Elemente sein müssen
- wo statischer Inhalt reicht und wo wirklich Interaktivität nötig ist
Häufig ist die wirksamste Massnahme, eine Seite redaktionell zu vereinfachen, statt sie technisch nachzubessern. Eine Filterleiste, die selten genutzt wird, kostet INP-Budget für alle anderen.
Zusammenhang mit den anderen Core Web Vitals
INP ergänzt die bestehenden Werte LCP und CLS, ersetzt sie nicht. Erst alle drei zusammen ergeben ein vernünftiges Bild davon, wie sich eine Seite anfühlt:
- LCP zeigt, wie schnell die Seite "ankommt"
- CLS zeigt, wie ruhig sie steht
- INP zeigt, wie schnell sie auf Eingaben reagiert
Wer sich die anderen Metriken ansehen will, findet die Einordnung in den Beiträgen zu Largest Contentful Paint und Layout-Sprünge: warum CLS Vertrauen und Conversion kostet.
Was du sinnvoll prüfen kannst
Auch hier gilt: Du brauchst keine tiefen Tools, um eine Einschätzung zu bekommen. Ein paar Fragen reichen:
- Wie viele Drittanbieter-Skripte laden auf typischen Seiten?
- Wie reagiert die Seite, wenn du schnell mehrere Filter hintereinander aktivierst?
- Wirkt das Suchfeld auf Mobile in der ersten Sekunde träge?
- Bleibt der Cookie-Banner kurz hängen, bevor er reagiert?
Wer diese Stellen ehrlich beobachtet, sieht meistens schon, wo INP-Probleme sitzen, lange bevor ein Tool das bestätigt.
Fazit und nächster Schritt
INP ist kein abstrakter Bonus, sondern eine genauere Messung dessen, was Nutzer ohnehin spüren. Eine Seite, die auf Eingaben langsam reagiert, wirkt zäh, egal wie schön der erste Eindruck ist.
Wenn du nicht sicher bist, wie deine Website an dieser Stelle steht, lässt sich das in einer ruhigen Bestandsaufnahme meist gut einordnen. Oft reichen wenige typische Pfade durch die Seite, um zu sehen, wo der Unterschied zwischen statischem Eindruck und echter Interaktion entsteht.