Agentur ignis
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Positionierung vor dem Webprojekt klären

Die meisten Webprojekte starten zu früh. Es gibt einen Anstoss, einen Termindruck oder ein neues Logo, also wird in den Projektmodus gewechselt. Was selten am Anfang steht, ist eine ehrliche Antwort auf die Frage: Wofür stehen wir, und für wen genau ist das relevant.

Diese Lücke fällt im Briefing kaum auf. Sie zeigt sich später, in jeder Diskussion über Texte, Reihenfolge und Designentscheidungen.

Was Positionierung im Webkontext wirklich heisst

Positionierung ist nicht der Claim auf der Startseite. Sie ist die Entscheidung, welche Probleme du bewusst löst, für welche Art von Kunden, mit welchem Anspruch, und wo du genauso bewusst nicht passt.

Wenn diese Entscheidung fehlt, wird die Website automatisch zur Liste. Du zeigst alles, was du theoretisch tun kannst, weil du dich nicht traust, etwas wegzulassen. Das wirkt sicher, ist aber das Gegenteil von Klarheit.

Warum Sitemaps ohne Positionierung wackeln

Eine Sitemap ist im Kern eine Priorisierung. Sie sagt, welche Themen eigene Seiten verdienen, welche zusammengefasst werden und welche gar nicht auf der Website auftauchen müssen. Ohne Positionierung lässt sich diese Entscheidung nur über Bauchgefühl treffen.

In der Folge entstehen entweder zu flache Strukturen mit fünf gleichgewichteten Hauptthemen oder zu tiefe Strukturen, in denen jede interne Idee eine eigene Seite bekommt. Beides macht es Besuchern schwerer, das Wesentliche zu erkennen.

Texte werden weich, wenn die Position fehlt

Wenn die Positionierung unscharf ist, schreiben Texte sich automatisch in Richtung "wir können das alles, immer hochwertig, individuell, partnerschaftlich". Diese Formulierungen tun niemandem weh, sagen aber auch nichts.

Eine klare Position erlaubt Sätze, die sich trauen, etwas auszuschliessen. Genau diese Sätze schaffen Vertrauen, weil sie zeigen, dass jemand wirklich nachgedacht hat.

Wer das ignoriert, landet schnell bei den Effekten, die im Beitrag Was passiert, wenn eine Website ohne klare Positionierung gebaut wird beschrieben sind.

Pragmatische Fragen statt Strategie-Workshops

Du brauchst kein zweitägiges Positioning-Sprint, um den nötigen Schärfegrad fürs Webprojekt zu erreichen. Oft reichen ein paar harte Fragen, ehrlich beantwortet:

  • Welcher Kundentyp passt wirklich gut zu uns, und welcher passt nicht
  • Welche Probleme lösen wir besser als der Wettbewerb, und woran kann man das erkennen
  • Was würden wir bewusst nicht anbieten, auch wenn es Umsatz bringt
  • Welche Art von Projekten wollen wir in zwei Jahren mehr machen als heute

Wer diese Fragen drei Stunden lang ehrlich diskutiert, hat oft mehr Substanz für die Website als nach einem ganzen Strategieprozess.

Positionierung muss zur Realität passen

Eine häufige Falle ist die Wunsch-Positionierung. Auf der Website wird ein Anspruch formuliert, den das Tagesgeschäft nicht trägt. Das fällt spätestens im ersten Gespräch auf und kostet Vertrauen.

Sinnvoller ist die Positionierung knapp vor dem Ist-Zustand. Sie beschreibt nicht, was du gerne wärst, sondern, wofür du heute gut bist und wohin du dich bewegst. Das ist ehrlicher und bleibt belastbar.

Wann Positionierung in den Webprozess gehört

Spätestens vor der Sitemap, idealerweise vor dem Briefing. Wenn die Sitemap steht, wird Positionierung oft nur noch zur Kosmetik. Wenn sie davor passiert, prägt sie Struktur, Reihenfolge, Tonalität und sogar die Auswahl der Bilder.

Auch das Inhaltsmodell im CMS wird einfacher. Wenn klar ist, was die Seite leisten soll, lassen sich Inhaltstypen, Felder und Pflegeprozesse so gestalten, dass sie das Geschäftsmodell unterstützen, statt es zu bremsen.

Schluss

Positionierung vor dem Webprojekt zu klären, klingt nach Mehraufwand. In der Praxis ist es das Gegenteil. Es spart Schleifen, Streit über Geschmack und nachträgliche Korrekturen. Vor allem entsteht eine Website, die nicht nur gut aussieht, sondern wirklich für jemanden gemacht ist.