Wettbewerbsanalyse für die Website: was sich wirklich vergleichen lässt
Wettbewerbsanalysen werden in vielen Webprojekten gemacht, aber selten produktiv genutzt. Am Ende steht ein Dokument mit Screenshots, ein paar Notizen und das diffuse Gefühl, dass "die anderen es schon ganz gut machen". Daraus lässt sich keine Entscheidung ableiten.
Das liegt selten am Aufwand, sondern an der Methodik. Wer pauschal "Wettbewerber analysiert", vergleicht meist Oberflächen. Wer gezielt einzelne Aspekte vergleicht, kann tatsächlich etwas lernen.
Was sich nicht sinnvoll vergleichen lässt
Designstil, Bildsprache und Tonalität sind keine harten Vergleichskriterien. Was bei einem Wettbewerber wirkt, kann bei dir falsch sein, weil Zielgruppe, Positionierung oder Content-Volumen anders sind.
Auch reine Tech-Stacks taugen wenig als Vergleich. Ob jemand auf Headless setzt oder auf einem klassischen System sitzt, sagt nichts darüber aus, ob die Website ihren Job tut.
Schliesslich ist die schiere Seitenanzahl kein Qualitätsmerkmal. Manche Wettbewerber sind sichtbar, weil sie viel Content haben. Andere sind sichtbar, weil sie wenig, aber sehr gezieltes Material zeigen.
Was sich gut vergleichen lässt
Vergleichbar wird es, wenn du auf konkret beobachtbare Dinge schaust:
- Wie schnell wird klar, was das Unternehmen anbietet
- Wie ist die Hauptnavigation strukturiert und welche Begriffe werden verwendet
- Welche Beweise für Kompetenz tauchen wo auf, in welcher Form
- Welche nächsten Schritte werden auf welchen Seiten angeboten
- Wie wird mit Preisen, Beispielprojekten oder Branchen umgegangen
Diese Punkte lassen sich nüchtern protokollieren und sind nicht von Geschmack abhängig.
Das eigene Bewertungsraster zuerst
Eine Wettbewerbsanalyse ohne eigenes Bewertungsraster ist meistens Bestätigung von Vorurteilen. Sinnvoller ist es, vorab festzulegen, welche Fragen du beantworten willst.
Typische Fragen sind: Wie sprechen vergleichbare Anbieter ihre Zielgruppe an. Welche Themen tauchen bei allen auf, welche fehlen überall. Wo sind die meisten Seiten austauschbar, wo gibt es echte Differenzierung.
Wenn du diese Fragen vorher schriftlich hast, wird die Analyse strukturiert statt assoziativ.
Vergleichbarkeit braucht eine Vergleichsgruppe
"Der Wettbewerb" ist meist eine sehr unscharfe Grösse. Manchmal sind es direkte Konkurrenten, manchmal Anbieter aus angrenzenden Märkten, manchmal Unternehmen, die einfach digital vorbildlich sind.
Es lohnt sich, drei Gruppen sauber zu trennen: direkte Wettbewerber, indirekte Alternativen aus Sicht des Kunden, sowie Inspirations-Beispiele, die nicht mit dir konkurrieren, aber methodisch etwas zeigen. Die drei Gruppen werden unterschiedlich gelesen.
Aus Beobachtungen werden Entscheidungen
Eine Analyse, die nichts entscheidet, ist nur Doku. Aus jeder beobachteten Schwäche oder Stärke sollte eine Frage für dein Projekt werden. Beispiele:
- Wenn alle Wettbewerber ihre Leistungen identisch beschreiben, brauchst du eine eigene Sprache, die das nicht imitiert
- Wenn niemand transparent über Zusammenarbeit spricht, ist das eine Chance, statt sie zu kopieren
- Wenn alle dieselben Stockbilder benutzen, kann eine eigene Bildwelt deutlich differenzieren
Solche Schlussfolgerungen sind belastbar, weil sie aus echten Mustern entstehen, nicht aus einzelnen Eindrücken.
Die typischen Fallen
Drei Fehler tauchen immer wieder auf. Erstens: zu viele Wettbewerber, oft acht oder mehr, sodass die Auswertung zerfasert. Drei bis fünf reichen meistens. Zweitens: Vermischung von "gefällt mir" und "ist objektiv stark". Drittens: das Übernehmen von Strukturen, die für den anderen funktionieren, weil dessen Geschäftsmodell anders ist.
Eine saubere Analyse hält klar getrennt, was du gut findest und was du in deinem Kontext wirklich übernehmen würdest.
Was die Analyse für die Website konkret bringt
Eine gute Wettbewerbsanalyse liefert zwei Dinge: ein realistisches Bild davon, was im Markt aktuell Standard ist, und ein paar gezielte Hebel, an denen du dich davon abheben kannst.
Sie ersetzt keine Positionierung und keine Sitemap-Arbeit, aber sie entlastet diese Schritte. Du musst nicht mehr alles aus der Innensicht entscheiden, sondern hast Bezugspunkte, die deinem Markt entsprechen.
Schluss
Wettbewerbsanalysen sind kein Selbstzweck. Wer pauschal vergleicht, lernt wenig. Wer gezielt einzelne Aspekte beobachtet und sie an eigene Fragen knüpft, bekommt ein Werkzeug, das spätere Entscheidungen einfacher macht. Genau dann ist die Analyse den Aufwand wert.